2017-10-11

Warum Kinderreitunterricht vermeintlich so teuer ist ?!

Warum Reitunterricht vermeintlich so teuer ist, oder…. ein Fußball zahlt keine Berufsgenossenschaft !

Viele Kinder möchten reiten, oder zumindest mal Umgang mit einem Pony haben. Dann machen sich die mehr oder weniger pferdebegeisterten Eltern auf die Suche, nach einer geeigneten Möglichkeit. Viele Reitschulen sind mittlerweile überlaufen, die Nachfrage liegt weit über dem Angebot, gerade im Bereich Kindergartenkinder. Oft kommen die Kinder dann erstmal auf eine Warteliste und müssen Geduld haben.
Viele Eltern setzten sich dann zum ersten Mal mit den Preisen für Reitunterricht auseinander. Sie stoßen auf einen vermeintlich hohen Preis für den Kinderreitunterricht, wo doch dass Kind “nur mal ne Stunde” vom Pony spazieren getragen wird. Aber wie kommen solche Preise wirklich zustande ?

Zunächst fällt ein Schulpony ja nicht einfach mal so “vom Himmel”. Je nach Alter, Rasse und Ausbildungsstand kostet es zwischen 300 € und 2000 €. Jetzt hat man zwar ein Pony, aber in der Sporttasche kann man es wohl nicht verstauen. Also muss auch ein “Stellplatz” her. Natürlich wird eine Reitschule auch eigene Möglichkeiten haben, die Schulponys unterzubringen, aber selbst bei der Haltung in Eigenregie kann man durchschnittlich mit mindestens 100 € “Haltungskosten” im Monat rechnen. Hier rein fallen zum Beispiel die Instandhaltung von Gebäuden, Weidepflege, Weidezaun, ein Weidezaungerät, Berufsgenossenschaft für Flächen, Gebäudeversicherungen, Entsorgung von Mist, Grundbesitzabgaben, der Beitrag für die Tierseuchenkasse und, und, und… .
Dann möchte dass Pony natürlich auch fressen und weich und trocken schlafen. Für Heu, Stroh Mineralfutter und Wasser kann man ungefähr mit weiteren 50 € im Monat rechnen. Einmal im Monat kommt auch der Schmied oder Hufpfleger, er kümmert sich sozusagen um die Pediküre, hierfür zahlt man je nach Umfang mindestens 15 €. Mehrmals im Jahr müssen die Pferde und Ponys auch auf Parasiten im Magen-Darm Trakt untersucht und behandelt werden, dies schlägt mit ca. 50 € im Jahr zu buche. Mindestens einmal im Jahr kommt der Pferdezahnarzt, um das Gebiss der Pferde und Ponys zu kontrollieren, diese Untersuchung und gegebenenfalls Behandlung kostet mindesten 120 €, hierzu kommen nochmal ca. 120 € jährlich für Impfungen.
Als Pferdehalter muss man auch seinen Beitrag an die Berufsgenossenschaft zahlen, durchschnittlich 120 € im Jahr pro Pferd/ Pony fallen hier an. Eine Reitlehrer- und Schulpferdehaftpflicht ist ein absolutes Muss, um auch im Ernstfall abgesichert zu sein, die Basisversion kostet hier ca. 20 € im Monat. Für den Reitunterricht braucht man neben einem Pferd oder Pony natürlich auch eine entsprechende Ausrüstung. Als Beispiel nenne ich hier nur mal ein paar Dinge die zur Grundausstattung gehören: Halfter und Strick ab 15 €, ein Pad oder Unterlage 20 €, ein Voltegiergurt mindestens 40 €, Trense ab 35 €, Sattel über 100 €, Putzsachen ca. 20 €, hierbei sind natürlich nach oben keine Grenzen gesetzt.
Zu all diesen Dingen kommen noch die Kosten für die eigene Ausbildung (Reitlehrer) und dem Schulpferd/ Pony. Es gibt zwar diverse Ausbildungen, aber alle haben eins gemeinsam! Sie kosten Geld.
Für den Unterricht braucht man auch noch weitere Utensilien wie z.B. Stangen, Pylonen, Bälle, schriftliche Unterrichtsmaterialien und viele weitere Dinge, diese müssen alle erstmal investiert werden. Bei all diesen Kosten bin ich jetzt mal von der absoluten Untergrenze ausgegangen, dies ist sozusagen die Grundausstattung. Hierbei sind noch keine Kosten für Notfälle, wie ein notwendiger Klinikaufenthalt oder Tierarztbesuche mit eingerechnet. Auch bauliche Investitionen wie zum Beispiel ein Reitplatz oder gar eine Reithalle, lasse ich mal außen vor.
Ach ja, der Staat möchte natürlich auch noch seinen Teil vom Kuchen abhaben, Reitunterricht ist nämlich mit 19 % beim Finanzamt zu versteuern.
All diese Punkte führen dazu, dass Reitunterricht kostet, was er kostet. Auch Kinderreitunterricht muss noch irgendwie wirtschaftlich sein. Wenn man zu den Kosten die die Vierbeiner “ausmachen”, jetzt noch mal seine eigene Zeit mit dem Mindestlohn berechnet, werden viele Eltern wahrscheinlich Verständnis für die Preise haben. Vielleicht ist der Tanzunterricht der Balettlehrerin von nebenan, die in den eigenen vier Wänden unterrichtet, ja günstiger, oder Fußball, oder Tennis …, vielleicht aber auch nicht….. ! Natürlich sollte man immer auch das Preis-Leistungsverhältnis im Auge behalten. Was wird angeboten ? Einzelunterricht, Gruppenunterricht ? Umso größer die Gruppe umso mehr teilen sich natürlich irgendwie den Preis, aber eben auch den Reitlehrer und seine Aufmerksamkeit.
Und man darf niemals vergessen dass wir es ja mit Lebewesen zu tun haben, die regelmäßig versorgt werden wollen und deshalb auch Kosten damit verbunden sind!

(Bei all den Angaben zu den Kosten handelt es sich um ungefähre Einschatzungen, diese können natürlich stark nach oben variieren, je nach Ort und Lage des Schulbetriebes, sie sollen nur zur groben Orientierung dienen.)

Admin - 19:12:03 | Kommentar hinzufügen