2017-10-11

Und jährlich grüßt das Deckentier……

Eine Decke für’s Pferd!?!?

Vorteile, Nachteile, mögliche Gefahren?!

Die “Decken Thematik”.
Es gibt ja viele Decken! Sommerdecken, Winterdecken, Nierendecken, Regendecken, Fliegendecken, Abschwitzdecken, Ekzemerdecken, Transportdecken. Große und Kleine, gestreift, kariert, einfarbig oder bunt, mit und ohne diverser Ausschnitte, Halterungen, Schnallen und weiteren Extra’s. Gut und schön. Aber braucht das Pferd das wirklich, ALLES, oder brauchen vielleicht nur wir diese Deckenvielfalt ?
Pferde haben eigentlich ein sehr gutes Thermoregulationsvermögen.
Natürlich ist nicht jede Pferderasse für jedes Klima gleich gut geeignet. Der Araber würde wohl im Winter in Island sehr frieren wobei dass Shettlandpony in Dubai im Sommer durchaus sehr ins schwitzen gerät.
Pferde haben verschiedene Möglichkeit mit Hitze und Kälte umzugehen. Dazu muss man aber sagen, dass diese Mechanismen trainiert werden müssen. Dass heißt, die Pferde müssen auch die Möglichkeit bekommen verschiedenen Witterungsbedingungen ausgesetzt zu sein. Pferde vertragen Kälte im Allgemeinen besser als Hitze. Bei Hitze haben Pferde die Möglichkeit zu schwitzen, sie können ihre Blutgefäße erweitern um mehr Wärne abzugeben. Die Natur hat außerdem für die warme Jahreszeit das Sommerfell entwickelt. Die Haare sind hierbei dünner und nicht so dicht. Bei Kälte können Pferde aber noch einiges mehr. Sie können ihr dichtes Winterfell aufstellen, so dass eine Isolierschicht entsteht. Zusätzlich dazu gewinnen sie aus ihrem Stoffwechsel Energie und Energie bedeutet Wärme. Die Gefäße können verengt werden, dadurch geht weniger Wärme verloren. Dass Fell ist leicht gefettet, so dass Nässe es nicht so leicht hat bis zur Haut vorzudringen. Im Winter haben Pferde ein stärkeres Unterhautfettgewebe, dieses bietet eine zusätzliche Isolation. Wenn es ganz kalt ist, können Pferde auch durch (Muskel-) zittern der Kälte entgegen wirken und so extra Wärme produzieren. Außerdem können sie durch arterio-venöse Verbindungen in der Haut, die äußere Hautschicht runter kühlen. Dadurch geht noch einmal weniger Wärme nach außen verloren.
Wenn sie die Möglichkeit dazu haben, suchen sie sich einen Wetterschutz zum Beispiel vor Sonne, Regen oder Wind. Sie stellen sich beim Ruhen dichter zusammen um sich gegenseitig zu wärmen. Oder sie Positionieren sich mit der Hinterhand gegen den Wind und Regen.
Also eine Menge Möglichkeiten der Kälte und Wärme zu trotzen.

Natürlich erfordern manche Situationen, Umstände oder gesundheitliche Probleme auch Ausnahmen und somit eine Decke. Bei Erkrankungen wie zum Beispiel dem Sommerekzem führt manchmal kein Weg an einer Decke vorbei. Oder im Sommer, wenn die Bremsen den Ausritt mal wieder erschweren, hilft eine Ausreitfliegendecke oft, um den Ausflug ins Freie wesentlich entspannter zu gestalten. Und zwar für Pferd und Reiter. Auch benötigen MANCHE ! Alte und Kranke Pferde im Winter eine Decke, die sie gegen Kälte und Nässe schützt, wenn zum Beispiel das Thermoregulationsvermögen nicht mehr so gut funktioniert. Auch leistet eine Abschwitzdecke nach dem Reiten im Winter gute Dienste. Dennoch sollte man das Gute- Alte “Trockenreiten” deswegen nicht vernachlässigen.
Die Entscheidung ob Decke, oder nicht hängt auch immer von der Nutzungsart ab. Wie oft, wann und wo wird das Pferd (besonders im Winter) gearbeitet?! Ist es geschoren oder nicht. Wie ist die Haltungsform? Ihr seht ein pauschales Ja oder Nein zur Decke ist nicht möglich. Dennoch sollten wir immer bedenken dass Pferde ein sehr gutes Thermoregulationsvermögen haben, wenn es regelmäßig “trainiert” wird. Wenn wir im Winter frieren und beim Pferd sind, heißt das nicht automatisch dass auch unsere Vierbeiner frieren. Nur weil wir die dicke Daunenjacke anziehen, müssen unsere Pferde keine 2 -fach gefütterte Decke bekommen.
Was ich sagen möchte ist, dass man sich grundsätzlich erstmal an der Natur der Pferde orientieren soll. Denn wildlebende Equiden haben keine Decken. Sie sind der Natur mit ihren Schwankungen ausgesetzt. Regen, Sonne, Wind, Schnee, all das können sie aushalten, weil sie (meistens) in einer Klimazone leben, an die sich die Rasse über Jahre angepasst hat. Sie suchen natürlichen Schutz unter Bäumen, Sträuchern und Hecken und stehen gemeinsam dicht zusammen um sich gegenseitig die lästigen Fliegen zu vertreiben. Mit dem vorschnellen eindecken der Pferde nehmen wir ihnen zum Teil, viele ihrer natürlichen Möglichkeiten, zu denen auch unsere Hauspferde durchaus in der Lage sind. Denn neben den Möglichkeiten, die die verschiedenen Decken mitbringen, so haben sie auch eins gemeinsam. Eine erhöhte Verletzungsgefahr. Besonders draußen, auf der Weide, im Offenstall, Trail oder Aktivstall ist das Risiko groß, dass die Pferde sich irgendwie, irgendwo damit fest hängen. Gerät es dann in Panik und kann sich nicht befreien, kann es zu schlimmsten Verletzungen kommen. Behaltet dies bei der Wahl eurer Decke immer im Hinterkopf. Manche Decken haben so genannte Sollbruchstellen, diese Reißen wenn sich dass Pferd mal festhängt. Auch die passende Größe ist ein Absolutes Muss. Denn zu große Decken erhöhen die Gefahr irgendwo hängen zu bleiben und erfüllen nicht ihren eigentlichen Zweck. Zu kleine Decken schneiden ein oder verursachen Druck,- und Scheuerstellen.
Winterdecken stören teilweise die Wärmeregulation, die Stellen ohne Decke, müssen extra warm gehalten werden, die Stellen mit Decke geraten dagegen schnell mal ins schwitzen, da ein gleichmäßiges Erwärmen ja nicht möglich ist. Auch die soziale Fellpflege in einer Herde, ist mit einer Decke kaum oder nur eingeschränkt möglich.

Also ob eine Decke nötig ist oder nicht muss man letztlich immer von vielen Faktoren abhängig machen. Dabei sollte man sich aber sowohl die Vor,- als auch die Nachteile immer vor Augen halten.

Admin - 19:07:51 | Kommentar hinzufügen